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Social Freezing

Social Freezing beschreibt das Einfrieren von Eizellen zum Erhalt der Fruchtbarkeit für eine spätere Lebensphase. Die häufigsten Gründe sind hierbei das derzeitige Fehlen eines geeigneten Partners / einer geeigneten Partnerin oder die Karriereplanung.  

Was sind die Vorteile des Social Freezings? 

Die Chancen auf eine Schwangerschaft sind abhängig vom Alter der Eizelle. Durch das Social Freezing wird der Alterungsprozess der kryokonservierten Eizelle gestoppt. Dies verhindert eine weitere Reduktion der Schwangerschaftschancen. Zudem wird das steigende Risiko für chromosomal bedingte Fehlbildungen (z.B. Trisomie 21) der Eizelle gestoppt.

Wie ist der Behandlungsablauf beim Social Freezing?

Vor dem eigentlichen Social Freezing erfolgen im Kinderwunschzentrum Niederrhein zunächst ein Erstgespräch und eine Basisuntersuchung (Blutentnahme und gynäkologische Untersuchung). Anschließend werden in einem Befundgespräch die Ergebnisse der Basisuntersuchung erläutert und der Behandlungszyklus geplant. Der Beginn des Behandlungszyklus kann nach Absprache individuell entschieden werden.  

Ein Behandlungszyklus beinhaltet die ovarielle Stimulation und die Eizellentnahme. Startpunkt eines Behandlungszyklus ist meist der 2. oder 3. Tag der Periodenblutung. Die ovarielle Stimulation erfolgt durch eine ca. 10-12 tägige Medikamenteneinnahme. In diesen Tagen sind ca. 1-2 Kontrolltermine notwendig. Die Eizellentnahme wird um den 14. Zyklustag durch eine transvaginale Follikelpunktion in Kurznarkose ambulant durchgeführt.  

Meist sind zwei bis drei Behandlungszyklen notwendig, um eine ausreichende Anzahl an Eizellen zu gewinnen.  

Wie hoch sind die Kosten des Social Freezings? 

Die Kosten für das Social Freezing werden nicht von der Krankenkasse übernommen und hängen von der Anzahl der Behandlungszyklen sowie von den benötigten Medikamenten ab. Pro Behandlungszyklus liegen die Kosten bei etwa 1.700€ für die ärztliche Behandlung und bei etwa 1.000€-1.800€ für  die Medikamente. Die Lagerungskosten für die Eizellen betragen 395€ pro Jahr.  Bei einer späteren Befruchtung der Eizelle, entstehen weitere Kosten für die Befruchtung der Eizelle und den Embryonentransfer.  

Wichtige Fragen & Antworten zur Behandlungsmethode Social Freezing

Das Alter spielt bei einer späteren Realisierung des Kinderwunsches (>35 Lebensjahre) eine zentrale Rolle.  Neben der absinkenden Eizellreserve im Eierstock steigt zeitgleich die Rate genetisch auffälliger (aneuploider) Eizellen. Die individuelle Eizellreserve kann mittels Messung des AMH (Anti-Müller-Hormon) und des AFC (Antral follicle count)  bestimmt werden.

Hingegen kann die Anzahl der genetisch auffälligen Eizellen nicht individuell bestimmt werden. Hier lassen sich nur Rückschlusse aus bisher durchgeführten Studien ziehen.  Die Aneuploidierate (Anzahl der Eizellen mit einer nicht korrekten Anzahl an Chromosomen) liegt bei <35-jährigen Frauen bei ca. 10%, bei 35-41-jährigen Frauen bei 36% und bei >41-jährigen Frauen bei bis zu 80%.   

Da die Eizellreserve und die Eizellqualität mit zunehmendem Alter abnehmen, ist die Chance auf Erfolg umso höher, je früher das Social Freezing durchgeführt wird.  Der optimale Zeitpunkt zur Durchführung des Social Freezings liegt vor dem 35. Lebensjahr.  Zwischen dem 36.  und 39. Lebensjahr kann, nach Bestimmung der individuellen Eizellreserve und nach ausführlicher und kritischer Aufklärung über die Erfolgschancen, das Social Freezing durchgeführt werden.  

Es wird empfohlen mindestens 20 reife Eizellen einzufrieren, um die Chance auf ein Kind zu erhöhen. Eine Studie aus dem Jahr 2016  hat die Lebendgeburtenrate nach der Befruchtung von zuvor eingefrorenen Eizellen untersucht. Die Lebendgeburtenrate ist abhängig vom Alter der Frau zum Zeitpunkt der Eizellentnahme. Wurden 20 reife Eizellen eingefroren, lag die Chance auf eine Lebendgeburt bei einer 20-jährigen Frau bei 94%, bei einer 34- jährigen Frau bei 90%, bei einer 37-jährigen Frau bei 75% und  bei einer 42-jährigen Frau bei 37%. Die Chance auf zwei Lebendgeburten nach Kryokonservierung von 20 reifen Eizellen lag bei einer 34- jährigen Frau bei 66%, bei einer 37-jährigen Frau bei 39% und  bei einer 42-jährigen Frau bei 7%.  

Die Anzahl der Eizellen, die das Einfrieren und Auftauen überleben, ist abhängig vom Einfriervorgang (=Kryokonservierung). Im Kinderwunschzentrum Niederrhein wird zur Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen (wie auch zur Kryokonservierung von befruchteten Eizellen und Embryonen) die Vitrifikation durchgeführt. Dieses „neue“ Einfrierverfahren ermöglicht, dass >95% der reifen Eizellen den Vorgang überleben. Beim „alten“ Einfrierverfahren, dem „slow freezing“, liegt die Überlebensrate der eingefrorenen Eizellen bei ca. 60%.  

Die Eizellen, die durch Vitrifikation eingefroren wurden, haben bei einer  künstlichen Befruchtung die gleichen Schwangerschaftsraten wie Eizellen, die nach der Entnahme direkt befruchtet und transferiert wurden. 

Nicht alle entnommenen Eizellen können eingefroren werden. Nur die „reifen Eizellen“, die sich in der Metaphase-II befinden, werden kryokonserviert. Erfahrungsgemäß befinden sich ca. 70-90% der entnommenen Eizellen in diesem Stadium.  

Die Anzahl der gewonnenen Eizellen pro Behandlungszyklus ist abhängig von der individuellen Eizellreserve der Frau.

Das D·I·R (Deutsches IVF Register) stellt die durchschnittliche Anzahl von gewonnen Eizellen im Rahmen eines ICSI Behandlungszyklus (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) in den Jahren 2014 bis 2018 dar. Der Durchschnitt der gewonnenen Eizellen beträgt bei einer 30-34-jährigen Frau 10,4 Eizellen, bei einer 35-39-jährigen Frau 8,4 und bei einer 40-Jährigen Frau 7,1 Eizellen. Erfahrungsgemäß ist die Anzahl der gewonnenen Eizellen im Rahmen des Social Freezings etwas höher. Da beim Social Freezing keine Schwangerschaft nach dem Behandlungzyklus hervorgerufen wird, kann die Stimulationsdosis in einem Behandlungszyklus großzügiger gewählt werden. Dies führt zu einer erhöhten Anzahl von gewonnenen Eizellen. 

Die ovarielle Stimulation ist eine kontrollierte Überstimulation. Jedoch ist durch das gewählte Stimulationsprotokoll (Antagonisten Protokoll mit GnRH-Agonisten zum Auslösen) das Auftreten eines Überstimulationssyndroms sehr selten.  

Die transvaginale Follikelpunktion ist ein operativer Eingriff von etwa 15-minütiger Dauer. Wie bei jeder medizinischen Intervention sind gewisse Risiken nicht ganz auszuschließen.  Blutungen oder Verletzungen von umliegendem Gewebe sind jedoch äußerst selten. 

Viele Studien haben weltweit die Auswirkung der ovariellen Stimulation auf ein mögliches Krebsrisiko untersucht. Bisher zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Durchführung einer hormonellen Stimulationsbehandlung und dem Entstehen einer Krebserkrankung (Brust-, Eierstock,-  Endometrium- und Gebärmutterhalskrebs).  

Es kommt nicht zu einem frühzeitigen Eintreten der Wechseljahre nach einer Social Freezing Behandlung. In einem natürlichen Zyklus starten mehrere Eizellen gleichzeitig den Reifungsprozess. Von diesen führt nur eine Eizelle (der dominante Follikel) zu einem Eisprung. Alle anderen Eizellen verkümmern (Follikelatresie) und werden vom Körper abgebaut. In einem natürlichen Zyklus und bei der ovariellen Stimulation starten etwa gleich viele Eizellen den Reifungsprozess. Die ovarielle Stimulation im Rahmen des Social Freezings führt jedoch dazu, dass mehr Eizellen den Reifungsprozess vollständig beenden 

Durch die Kryokonservierung in flüssigem Stickstoff bleiben die Zellen nahezu unbegrenzt haltbar. Studien haben gezeigt, dass Lagerungszeiten von bis zu 30 Jahren keinen Einfluss auf die Qualität der Eizellen haben. 

Eine Schwangerschaft in einem Alter von über 40 Jahren birgt auch mit vorangegangenem Social Freezing mehr Risiken. Es steigt das Risiko für eine Frühgeburt, einen Schwangerschaftsdiabetes, einen erhöhten Blutdruck oder eine Präeklampsie (=Schwangerschaftsvergiftung). Ab dem 50. Lebensjahr wird von einem Transfer abgeraten.

Ist der Zeitpunkt für die Realisierung des Kinderwunsches gekommen, wird zunächst eine natürliche Konzeption angestrebt. Gibt es auf beiden Seiten keine bekannten Ursachen für eine Infertilität (= Unfruchtbarkeit), empfehlen wir mindestens 6 Monate zu versuchen den Kinderwunsch auf natürlichem Weg zu erfüllen.

Gerne steht das Kinderwunschzentrum Niederrhein unterstützend mit einem Zyklusmonitoring zur Seite.  Bleibt der Kinderwunsch auf diesem Weg unerfüllt, werden die aufgetauten Eizellen mittels ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) befruchtet. Anschließend wird der Embryonentransfer im natürlichen Zyklus durchgeführt.  

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